Gegen die Angst

Die Welt zu Martin Luthers Zeiten befindet sich im Umbruch. Amerika ist entdeckt worden. Eine Art von Globalisierung findet statt. Es gibt Gewinner und Verlierer. Bei diesen löst der Umbruch Verunsicherung, Wut und Angst aus. Die Parallelitäten zu heute lassen sich kaum übersehen. Die weltlichen Ängste vergrößern sich durch die Angst vor dem Jenseits. Donald Trump, einer der Angstmacher von heute, soll einmal gesagt haben, ich hasse den Geruch von Büchern. Ich beziehe mich bei dieser Aussage auf Paul Auster.

Martin Luther geht genau den gegenteiligen Weg. Sein Thesenanschlag ist ein erster Anschlag auf die Ängste und Angstmacher seiner Zeit. Statt Ängste zu schüren, setzt er auf Information und Bildung. Dabei nutzt er die neuen medialen Möglichkeiten. Statt Bücher zu hassen, produziert er sie haufenweise. Kaum ein anderer deutscher Autor hat so auflagenstark publiziert wie er. Er übersetzt die Bibel ins Deutsche. Um diese schriftlichen Schätze lesen zu können, fordert er von den politisch Verantwortlichen Schulen und Bildungsstätten für alle. Wissen, Diskussion und Bildung helfen gegen die Angst. Das weiß er. Martin Luther will den gebildeten, mündigen und verantwortungsbewussten Menschen, der auf sein Gewissen hört. Dass dieser Mensch nicht das Paradies hervorbringt, weiß Martin Luther auch. Dafür ist der Mensch, seine eigene Person eingeschlossen, viel zu sehr in sich selbst verschlungen. Aber mit Bildung, Wissen und Verantwortlichkeit wird die Welt menschlicher. Dem ist auch heute nicht viel mehr hinzuzufügen.

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