DON CAMILLO ZU DRITT

Theater-Adaption von PATRICK DE LONGRÉE

nach „Mondo-Piccolo Don Camillo“ von GIOVANNINO GUARESCHI

Deutsch von Anna Machinek

Gastspiele: Ganze Spielzeit 2021/22, auf Anfrage

mit
Arnd Schimkat als Don Camillo
Sven Hussock als Peppone
Christoph Theussl  als Jesus

Regie
Thomas Luft

Kostüm
Sarah Silbermann

Musik
Christoph Theussl

Preis
5.700 Euro *
zzgl. 10 % Tantieme, AVA, VA, Gema
Gastspiele ganze Spielzeit auf Anfrage

Aufführungsrechte
Ahn & Simrock Bühnen u. Musikverlag, Hamburg

*Honorare für CH-Gastspiele abweichend

Eine kleine Welt… ein Landstädtchen… irgendwo in Norditalien… im Sommer schwingt die Sonne ihr strahlendes Zepter, entzündet die Leidenschaften und bringt das Gehirn zum kochen… man zankt sich, man schlägt sich… aber man bleibt Mensch!

Wer kennt sie nicht! Goivannino Guareschis Geschichten vom Priester Don Camillo, der für die Sache Jesu auch schon mal die Ärmel aufkrempelt und dem nicht weniger streitbaren kommunistischen Bürgermeister Peppone. Immer dazwischen, mal mahnend, mal beschwichtigend, der gekreuzigte Heiland höchst selbst. Auf unnachahmliche Weise bricht Guareschi italienische Lebensrealität der Nachkriegszeit und Weltgeschehen, den Übergang in eine neue Zeit auf seine „Mondo Piccolo“, diesen kleinen, weltvergessenen Ort in der Poebene herunter und lässt seine Protagonisten stellvertretend für die politischen Kräfte jener Tage gegeneinander antreten. Aber anders als in der Realität, enden diese Auseinandersetzungen um Politik, Glaube und Leben immer mit einem zutiefst menschlichen Augenzwinkern und bieten der reichhaltigen Leserschaft bis heute Beispiel und Perspektive für ein pluralistisches Gesellschaftsbild. Italien war nach dem Sieg über den Faschismus bis zum Ende des Kalten Krieges ein ideologisch gespaltenes Land, mit Christdemokraten auf der einen  und Kommunisten auf der anderen Seite. Um so mehr liebte man diese beiden Streithähne, die zu guter Letzt irgendwie immer zueinander fanden.

In seiner Theateradaption konzentriert sich der belgische Theatermacher Patrick de Longrée ganz auf deren Dispute und verbale Rangeleien – und natürlich auf die obligatorischen Zwiegespräche mit dem zu sanfter Ironie neigenden Erlöser am Kreuz. In den unterschiedlichen Weltanschauungen, Alltagssorgen und Nöten von Pfarrer und Bürgermeister, in deren Groll auf- und Zuneigung füreinander spiegelt sich die Universalität menschlicher Beziehungen. Guareschi hat mit seinen Geschichten von Don Camillo und dem Bürgermeister Peppone ein Stück Weltliteratur erschaffen, die, wie uns das Auseinanderdriften vieler Gesellschaften rund um den Globus immer wieder beweist, zeitlos ist.

Die Autoren

Gegen ihren Erfinder, den Journalisten und Schriftsteller Giovannino Guareschi waren seine Giovannino Guareschi beiden Protagonisten Waisenknaben. Kaum aus deutscher Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, nahm der tief katholisch geprägte, konservativ-royalistisch eingestellte Guareschi sofort den publizistischen Kampf gegen die gefühlte kommunistische Vereinnahmung seiner Heimat auf. Seine stärkste Waffe: Ironie! Er war ein Dickkopf, der für seine Überzeugung auch eine Gefängnisstrafe nicht scheute. Revision hätte Kompromiss bedeutet. Und dieser kam für Guareschi, den erfolgreichsten italienischen Autors des 20. Jahrhunderts nie und nimmer in Frage. Als es um die Verfilmung seiner Geschichten ging, äußerte er die Absicht, selbst den Kommunisten Peppone spielen zu wollen, musste dann aber mangels schauspielerischen Talents dem damals schon sehr bekannten Theaterstar Gino Cervi den Vortritt lassen. Nachdem er der Welt mit seinem letzten Roman („Don Camillo und die Rothaarige“)  nochmals kräftig die Leviten gelesen hatte, musste Guareschi sie im gleichen Jahr auch noch verlassen. Das Buch erschien posthum.

Patrick de Longrée ist in Belgien einer der bekanntesten Theatermacher. Schon 1987 hob er zusammen mit Rinus Vanelslander das Sommertheater, den „L’été théâtral de Villers-la-Ville“ in den beeindruckenden Ruinen des ehemaligen Zisterzienserklosters  im wallonischen Brabant aus der Taufe und hat das Festival bis heute zu einem Höhepunkt des belgischen Kultursommers mit europaweiter Strahlkraft entwickelt. 2012 wurde dort seine Dramatisierung der „Piccolo Mondo Don Camillo“ uraufgeführt.

Zu Beginn überschlagen sich alle mit Komplimenten und Nettigkeiten. Alles ist wunderbar: das Haus, die Lage, die Nachbarn! Als Moritz Lindner aber, ganz nebenbei, fallen lässt, sie wollten manche Räume vielleicht doch rot streichen, löst das eine erste kleine Irritation aus. Aber wirklich nur eine kleine, noch ist alles völlig im Rahmen.

Der beneidenswerte Zuschauer darf nun einem unvergleichlichen Anschwellen unterdrückter Konflikte beiwohnen. Kleine Unhöflichkeiten steigern sich zu massiven Beleidigungen ohne Gnade und Tabus. Political Correctness war gestern. Die nun folgende apokalyptische Zimmerschlacht wird bis aufs äußerste geführt. Das Noch-Wohnzimmer der Rotemunds wird zur modernen Arena, in der vier Gladiatoren ums nackte Überleben kämpfen.

Grandios entwirft Brian Parks eine Konversation, die aber auch wirklich an allen Weichen  so falsch abbiegt, dass es eine pure Freude ist. Schwarz ist der Humor, rasant das Tempo. Ein Stück so unterhaltsam wie eine Mischung aus Yasmina und „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“.

X