HOMOHALAL

Eine Integrations-Komödie von Ibrahim Amir

Besetzung
Edith Konrath
Evelyn Plank
Katja Brenner
Matthias Renger
Rainer Haustein (i. V)
Stefan Lehnen
u. a. (8 Darsteller)

Regie
Sven Hussock (i. V.)

Dauer
ca. 90 Minuten (voraussichtlich) ohne Pause

Gastspiele
20. September bis 10. November 2018
und 5. bis 22. Februar 2019

Preis
8.900 € + 10 % Tantieme, Gema, AVA, VA

Aufführungsrechte
Per H. Lauke Verlag, Hamburg

Auf Wunsch mit Einführung, Publikumsgespräch und theaterpädagogischem Begleitmaterial (ab 2018)

2017 - Wir schaffen das!

2037 - Wir haben es geschafft!

Deutschland im Jahr 2037: Man lebt im tolerantesten Land der Welt, harmonisch und erschreckend wenig islamisiert. Gut zwanzig Jahre nach der sog. Flüchtlingskrise treffen einstige Asylsuchende, Aktivisten und Helfer bei einer Trauerfeier wieder aufeinander. Im Kampf um mehr Rechte und bessere Lebensbedingungen für Geflüchtete war man sich damals näher bis nahe gekommen, verliebte sich, heiratete fürs Bleiberecht oder trennte sich aufgrund der dann scheinbar doch unüberwindbaren kulturellen Gegensätze.
Das Zusammentreffen lässt zuerst eine nahezu euphorische Stimmung aufkommen. Man schwelgt in Erinnerungen an aufregende Zeiten. Gemeinsam Errungenes wird in der rosaroten Rückblende zum großen Sieg einer ganzen Bewegung. Die Stimmung erinnert an gut etablierte Alt-68er Kommunarden, die noch einmal Ihren Widerstand gegen das Establishment und die sexuelle Befreiung Revue passieren lassen. Aber der Putz bröckelt schnell, und alte Wunden brechen wieder auf. Lebt man heute das Leben, von dem man damals träumte? Hat man sich damals wirklich integriert und zueinander gefunden? Und wurde politisch irgendetwas erreicht? Was völlig harmlos beginnt, entwickelt sich mit scharfem Witz und äußerst erfrischender „Political Incorrectness“ zu einem Showdown, der sich gewaschen hat. Hier kommt keiner ungeschoren davon, weder die einstmals helfenden Gutmenschen, noch die damals so gefürchteten Überfremder. Alle bekommen ihr Fett ab.

Dem Autor Ibrahim Amir, syrischer Kurde mit Wiener Wahlheimat und hauptberuflicher Arzt, ist mit HOMOHALAL ein absolut außergewöhnliches Stück gelungen. Was anfänglich wie eine Ayckbournsche Gesellschaftskomödie daher kommt, entpuppt sich schnell als messerscharfes und blitzgescheites Unterhaltungstheater voll auf Höhe unserer Zeit. Homophobe Muslime, deutsche Frauen mit Helfersyndrom, irakische Weiberhelden, Salafisten und Identitäre dürfen mit mit voller Lust und Laune aufeinander prallen.
Zur Uraufführung am 30. März dieses Jahres am Dresdener Staatsschauspiel schrieb z. B. die Süddeutsche Zeitung: „Das Publikum amüsiert sich prächtig … Amir beherrscht die Regeln der Migrations- und Integrationskomödie: je böser, desto besser. So unerschrocken jongliert sonst nur die israelische Regisseurin Yael Ronen mit ethnischen, religiösen und sexuellen Stereotypen. Ibrahim Amir hält nichts von Vorsicht. Es gebe zu viel Angst, über kulturelle Unterschiede zu reden, sagt er. „Das wird nicht gut ausgehen. Wir lassen uns viel zu sehr von den Rechten die Themen bestimmen oder auch verbieten.“ … In kaum einem der zahlreich kursierenden Flüchtlingsstücke werden wirklich kontroverse Positionen vertreten. Mut sieht anders aus. Den wünscht man zurzeit vielen Theatern. Was Dresden kann, sollten wir doch alle können.“

Ein fesselndes und hochaktuelles Stück von einem außergewöhnlichen Autor, der gerade zum Shooting Star der deutschen Theaterszene avanciert. Daran können und wollen wir nicht vorbeigehen.

Der Autor – Ibrahim Amir

ibrahim amir

Ibrahim Amir ist Kurde und wurde 1984 in Aleppo (Syrien) geboren. Dort begann er ein Studium der Theater- und Medienwissenschaft, das er aus politischen Gründen allerdings nicht beenden durfte.

2002 kam er nach Wien, begann dort von vorne, studierte Medizin und fing an zu schreiben – auf Deutsch. Im Jahr 2009 wurde er mit dem Exil-Literaturpreis „schreiben zwischen den kulturen“ für die Kurzgeschichte IN JENER NACHT SCHLIEF SIE TIEF ausgezeichnet. Sein erstes Stück HABE DIE EHRE, uraufgeführt am 29. Januar 2013 in den Wortstätten Wien, wurde in Wien und am Schauspiel Köln gleichermaßen vom Geheimtipp zum großen Publikumserfolg, ebenso wie sein nächstes Stück STIRB, BEVOR DU STIRBST, das am Schauspiel Köln am 7. November 2015 uraufgeführt wurde. Inzwischen ist Ibrahim Amir in Medizin promoviert und verheiratet. Wien ist seine Heimat geworden.

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